Toleranzbereich und ökologische Potenz.

Einige Arten vertragen Schwankungen von Umweltfaktoren ohne großen Schaden zu nehmen, andere tolerieren dies weniger. Jede Tier- oder Pflanzenart hat einen speziellen Bereich, innerhalb dessen sie alle Lebensfunktionen aufrecht erhalten kann. Auf dieser Seite geht es darum.

ökologische Potenz
  • ökologische Potenz → Spanne eines Umweltfaktors, innerhalb der Entwicklung und Fortpflanzung möglich sind; Schwankungen eines Umweltfaktors werden innerhalb bestimmter Grenzen zu ertragen [auch bei Konkurrenz]
  • Tipp weitere ökologische Grundbegriffe findest Du hier
Merkmale des Lebens
  • einige Merkmale des Lebens → sind u.a. ...
    • Ernährung
    • Ausscheidung
    • Atmung
    • Reizbarkeit
    • Fortpflanzung
    • Entwicklung [z.B. Individualentwicklung; Stammesentwicklung und Abstammung]
    • Vererbung
    • Wachstum
    • Bewegung
  • Hinweis → Im medizinischen Bereich meint man mit Lebensmerkmalen/-funktionen auch die so genannten Vitalfunktionen, die das medizinische Personal bei den Patienten bzw. auch der Ersthelfer kontrollieren und überwachsen muss. Damit sind u.a. gemeint: Wachzustand, Atmung, Kreislauf und Reflexe.
Toleranzbereich | Minimum, Optimum, Maximum
  • Begriff Toleranzbereich → Spanne eines Umweltfaktors, innerhalb der ein Lebewesen überhaupt existieren kann [lebensfähig ist]; in Extrembereichen können einzelne Lebensfunktionen auch eingeschränkt sein [z.B. Fortpflanzung]
  • Toleranzbereich → umfasst bezüglich eines Umweltfaktors ...
    • Minimum unterste Grenze des Toleranzbereiches
    • Maximum oberste Grenze des Toleranzbereiches
    • Optimum Vorzugsbereich; Bereich der günstigsten Bedingungen hinsichtlich eines Faktors
    • Pessimum Extrembereiche, in denen die meisten Lebensfunktionen noch gerade so aufrecht erhalten werden können, aber keine Fortpflanzung der erfolgt
  • Toleranzbereich einer Pflanze gegenüber dem Lichtfaktor → Beispiel Wald-Ziest
    Pflanzen reagieren auf unterschiedliche Lichtstärke mit unterschiedlichem Wachstum [z.B. Ausbildung von Licht- und Schattenblättern, Wuchshöhe (siehe rechts), Blütenausbildung etc.].

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  • optimale Bodenreaktion einiger Pflanzen → Optimum des pH-Wertes des Bodens
    Pflanzenart pH-Bereich Pflanzenart pH-Bereich
    Roggen 4,8 – 6,6 Gerste 6,2 – 7,4
    Hafer 4,6 – 6,1 Gemeine Kiefer 4,6 – 6,0
    Berg-Ahorn 5,5 – 7,5 Sauerklee 4,0 – 7,5
  • Konsequenzen → In der Land- und Gartenwirtschaft, aber auch bei der Viehzucht muss man die Toleranzbereiche der Nutzpflanzen bzw. -tiere genau beachten, um optimale Erträge zu erzielen. Aber auch im Artenschutz sind die Erkenntnisse über Toleranzbereiche und ökologische Potenz wichtig, um Lebensräume zu schützen und die darin lebenden Organismen zu erhalten.
  • Tipp weitere ökologische Grundbegriffe findest Du hier
enger Toleranzbereich | Zeigerarten
  • Begriff Zeigerarten [Bioindikatoren] → Arten mit einem sehr engen Toleranzbereich gegenüber einem Umweltfaktor [beobachtet man diese Art, kann man auf die Ausprägung des jeweiliges Umweltfaktors an diesem Ort bzw. in diesem Biotop Rückschlüsse ziehen]
    es gibt so z.B. Zeigerpflanzen und Zeigertiere
  • Zeigerarten gegenüber der Bodenreaktion → folgende Pflanzen zeigen bestimmten pH-Wertbereich des Bodens an ...
    Bodenreaktion einige Zeigerarten
    saurer Boden Heidekraut, Wald–Flattergras, Wald–Labkraut, Sternmiere, Wald–Sauerklee, Kiefer, Hafer, Sauerampfer ...
    neutraler Boden Zuckerrübe, Gerste, Scharbockskraut,
    Berg–Ahorn ...
    alkalischer [basischer] Boden Leberblümchen, Lerchensporn ...
  • Zeigerarten gegenüber dem Lichtfaktor → bei Pflanzen sind z.B. ...
    Lichtfaktor Zeigerarten
    wenig Licht Schattenpflanzen [z.B. Europäische Eibe, Sauerklee, Springkraut, viele Moose und Farne]
    viel Licht Sonnenpflanzen (Lichtpflanzen) [z.B. Kiefer, Weide, Birke, viele Rosen, Thymian, Heidekraut, Königskerze, Silberdistel]
  • weitere Zeigerarten sind z.B. → die Sand-Segge für Sandboden, der Acker-Schachtelhalm für viel Bodenfeuchtigkeit, die Große Brennnessel für stickstoffreichen Boden bzw. der Mauerpfeffer für stickstoffarmen Boden
  • Tipp weitere ökologische Grundbegriffe findest Du hier
Toleranzbereiche und Individualentwicklung
  • Veränderlichkeit von Toleranzbereichen → Toleranzbereich gegenüber bestimmten Umweltfaktoren können sich während der Individualentwicklung verändern
    typisch ist beispielsweise, dass besonders die Toleranzbereiche gegenüber verschiedenen Umweltfaktoren in den ersten Entwicklungsetappen eines Lebewesens anders [kleiner] sind als im Erwachsenenalter
  • Beispiel Haushuhn → Toleranzbereiche, die sich während der Entwicklung verändern ...
    Entwicklungsabschnitt Veränderung von Toleranzbereichen
    Embryo Nährstoffangebot [Nährstoffe im Ei], Temperaturoptimum und Toleranzbereich gegenüber der Temperatur
    Küken und Legehenne Futterzusammensetzung, Temperaturoptimum und Toleranzbereich gegenüber der Temperatur
  • Beispiel Haushuhn → Toleranzbereich gegenüber der Temperatur in den Entwicklungsabschnitten [im Durchschnitt]
    Entwicklungsabschnitt Minimum Optimum Maximum
    Embryo 35°C 36 - 38°C 39°C
    Küken 20°C 28 - 31°C 40°C
    Junghenne 0°C 7 - 14°C 41°C
    Legehenne -11°C 9 - 13°C 41°C
    ältere Henne -20°C 10 - 15°C 41°C
  • Beispiel Freilandtomate → Toleranzbereich gegenüber der Temperatur in den Entwicklungsabschnitten [im Durchschnitt]
    Entwicklung Minimum Optimum Luft Optimum Boden Maximum
    Keimung 15°C 20°C 23°C 30°C
    Jungpflanze 10°C 20°C 18°C 31°C
    Leistungsphase 4°C 20°C 15°C 33°C
Hinweise und einige Fachbegriffe
  • Art → Gesamtheit von Lebewesen, die in grundlegenden Merkmalen übereinstimmen und sich untereinander [geschlechtlich] fortpflanzen können sowie fruchtbare Nachkommen hervorbringen; bezogen auf einen Lebensraum bilden Individuen einer Art eine Population
  • Standort → Bezeichnung für den Lebensraum [Biotop] von Pflanzen und der herrschenden Umweltfaktoren
  • Individualentwicklung → Entwicklung eines Lebewesens beginnend mit der Befruchtung der Eizelle bis zum Tod des Individuums
Quellenangaben
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